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Jahresrückblick Kriminalität 2019

Blaulicht an einem Ford S-Max
Jahresrückblick Kriminalität 2019
"Der Kreis Viersen ist noch sicherer geworden", sagt Landrat Dr. Andreas Coenen mit Blick auf die aktuelle Statistik. Zahlen und Bewertungen, Veränderungen gegenüber den Vorjahren, den Blick auf den Fünf-Jahres-Schnitt - all das gibt es im aktuellen Jahresrückblick Kriminalität.
Heike Ahlen

Vorwort von Landrat Dr. Andreas Coenen zur Kriminalitätsentwicklung 2019

Ich wiederhole mich ungern. Daher sage ich in diesem Jahr nicht schon wieder

„Der Kreis Viersen ist sicher“.

Ich sage: „Der Kreis Viersen ist noch sicherer geworden“

Die registrierte Kriminalität ist neuerlich gesunken und das deutlich. Mit 15.879 Straftaten haben wir den niedrigsten Wert der letzten fünf Jahre verzeichnet, was sich naturgemäß auch auf die Häufigkeitszahl auswirkt, die erneut sehr deutlich unter dem Durchschnitt im Land NRW liegt. Die Aufklärungsquote ist zwar leicht gesunken, erreicht aber mit gut 52 Prozent immer noch einen guten Wert.

Das Ergebnis spricht für die sehr gute Arbeit unserer Polizei, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreispolizeibehörde Viersen bedanke.

Die Zahl der registrierten Gewaltdelikte ist ebenfalls erneut rückläufig, was auf einen deutlichen Rückgang bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen zurückzuführen ist. Verhehlen möchte ich dabei aber nicht, dass wir acht Tötungsdelikte und auch eine Steigerung bei den Sexual- und Raubstraftaten konstatieren müssen.

Im Zusammenhang mit schweren Sexualdelikten mache ich deutlich:

Im Jahr 2019 haben wir nach den Geschehnissen in Lügde der Bekämpfung des Sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Kinderpornographie eine noch stärkere Aufmerksamkeit gewidmet als es diese Delikte ohnehin selbstverständlich erfordern und erhalten. Wir haben unser Personal, das für die Bearbeitung dieser absolut verwerflichen Taten eingesetzt ist, verdoppelt.

Das Ausmaß dieser Straftaten in unserer Gesellschaft ist unvorstellbar groß, wie auch die noch laufenden Ermittlungen in der Sonderkommission Berg zeigen. In diesem Ermittlungskomplex ist auch ein Beschuldigter aus Viersen in Tatverdacht geraten. Der Mann sitzt seit einigen Monaten in Untersuchungshaft.

Es muss unser aller Bestreben sein, die wehrlosen Kinder vor diesen Machenschaften zu schützen und die Täter, bei denen es sich häufig um Vertrauenspersonen der Opfer handelt, schnellstmöglich und mit aller Konsequenz zur Rechenschaft zu ziehen.

Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Unsere Aufgabe als Polizei ist es dabei, einerseits durch Prävention in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aufzuklären, um Missbrauch zu verhindern und Anzeichen für Missbrauch zu erkennen. Ich bin daher sehr froh, dass wir in unserem Kreis seit vielen Jahren ein sehr gutes Netzwerk haben und es bei uns einen Krisenstab gibt, der in Verdachtsfällen kompetent, schnell und unbürokratisch hilft.

Andererseits müssen wir als Strafverfolgungsbehörde repressiv schnell und akribisch arbeiten, um die Täter zu überführen und das Leid der Opfer zu beenden. Dabei sind meist riesige Mengen sichergestellter Daten auszuwerten, um auch darüber festzustellen, ob es weitere, bislang nicht bekannte Opfer dieses Tatverdächtigen gibt. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind allesamt freiwillig mit dieser extrem belastenden Arbeit betraut, und äußerst motiviert, diesen Tätern das Handwerk zu legen. Sie werden dabei von uns als Behörde und Vorgesetzte alle erdenkliche Unterstützung und Hilfe erfahren, damit ihre Psyche keinen Schaden nimmt. Es ist unvorstellbar, mit welchen Bildern die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter tagtäglich acht und auch mehr Stunden lang konfrontiert werden. Ich habe Hochachtung vor dieser Arbeit.

Letztendlich bleibt festzuhalten, dass nicht nur bei den Sexualdelikten, sondern bei vielen anderen Straftaten auch, das „Auge auf für Nebenan“, also ein funktionierendes Miteinander in der Sozialgemeinschaft und Zivilcourage, Verdachtsmomente zu melden, sehr gute Mittel sind, Straftaten aufzudecken, zu verhindern und aufklären zu können.

Dieses „Auge auf für Nebenan“ wünsche ich mir für die Sicherheit im Kreis Viersen.

Vorwort des Abteilungsleiters Polizei LPD Manfred Krüchten

Unser Landrat hat es deutlich gemacht:

Gute Polizeiarbeit ist eine effektive Möglichkeit, der Kriminalität wirksam zu begegnen. Ohne die Bevölkerung („Augen auf für Nebenan“) ist die Polizei allein nicht in der Lage, Kriminellen einen Riegel vorzuschieben- und das wollen wir möglichst im wahrsten Sinne des Wortes tun.

Mit gemeinsamen Anstrengungen sind wir auf einem guten Weg, das zeigen uns die Zahlen der vergangenen Jahre.

Strategisch hatten wir uns seit einigen Jahren bei der Kriminalitätsbekämpfung auf die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs als Schwerpunkt fokussiert.

Ich glaube sagen zu dürfen: Wir haben Erfolg mit unserer Strategie gehabt!

Mit über 900 Wohnungseinbrüchen sind wir im Jahr 2015 gestartet, den Wohnungseinbrechern einen Riegel vorzuschieben. Im Jahr 2019 hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche nahezu halbiert.

Das ist eine Entwicklung, die mir zeigt, dass wir das richtige Konzept gehabt haben, um dieses für die Menschen sehr beunruhigende Phänomen in den Griff zu bekommen. Wenn man sich in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen kann, dann leidet die Lebensqualität erheblich.

Ich sage Danke:

Danke an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsere Strategie erfolgreich umgesetzt haben. Danke an die Bevölkerung, die uns mit Hinweisen geholfen hat. Danke an die Menschen, die unsere Tipps beherzigt und ihr Hab und Gut durch Einbruchsicherungen besser geschützt haben. 

Bei den Wohnungseinbrüchen zeigen sinkende Fallzahlen tatsächlich, dass die Straftaten abnehmen, denn hier gibt es - alleine wegen der versicherungsrechtlichen Vorschriften- nur ein unbedeutendes Dunkelfeld.

Steigen hingegen die Fallzahlen bei den bekannt gewordenen Sexualstraftaten, so ist dies nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass die Kriminalität in diesem Bereich steigt. Gerade bei den Sexualdelikten und ganz besonders beim Sexuellen Missbrauch von Kindern gibt es ein ganz erhebliches Dunkelfeld, das wir durch Prävention und Repression aufhellen wollen.

Steigende Fallzahlen in der Kriminalstatistik bei den Sexualdelikten sind eher ein Zeichen für ein verändertes Anzeigeverhalten und für Aufhellung des Dunkelfelds. Solche statistischen Entwicklungen bewerte ich daher als durchaus positiv.

Je kleiner das Dunkelfeld wird, umso mehr Opfer haben wir (auch vor weiterem Missbrauch) schützen können. Bei den bekannt werdenden Straftaten können wir die Täter bei einer Aufklärungsquote von über 90% mehrheitlich zur Verantwortung ziehen. „Augen auf für Nebenan“ lautet daher auch mein Credo, um gemeinsam mit der Bevölkerung weiterhin erfolgreich Kriminalität bekämpfen zu können.